Aufstehen.?!

Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist. Dieser Text, den wir in der Vesper des Pfingstfestes und in den Gottesdiensten des Pfingstmontages gehört haben, ist ein extrem dichter Inhalt. Was lesen wir dort alles: Einheit und Friede wird thematisiert. Das sind ganz große Wünsche. Die Fragen schwingen immer mit: Woher soll der wahre, dauerhafte Friede kommen? Wann kommt er endlich? Und: Wer „gibt“ uns die viel beschworene Einheit? Es wird auf den einen Gott verwiesen, auch wenn er uns in drei Personen gegenübersteht; ein Geheimnis, das uns nicht loslässt. Von Berufung ist die Rede, die uns Alle, als Gläubige Gottes betrifft und ansprechen sollte. Die spannende Frage ist: Was machen wir aus dieser Berufung? Schließlich wird auf die Hoffnung verwiesen, die allen Menschen gegeben wird, die sich dem HERRN anvertrauen. „Hab‘ Mut, steh auf.“, so lautete das Motto des Katholikentages 2026 in Würzburg. Da schwingt so viel Hoffnung Machendes mit. Leider sehe ich in unserer (weltkirchlich eher kleinen) katholischen Kirche in Deutschland nicht unbedingt den e i n e n Leib und Geist. Ich sehe eher Polarisierung. Jeder „Pol“ kann sich auch dieses Motto so zurechtlegen, wie er es möchte. Ist das die Wahrheit, die uns von Gott zukommt? Legen wir Menschen stattdessen Glaubenswahrheiten fest? Interessant ist es, den vollständigen Kontext dieses Mottos zu kennen. Wir finden das Wort im Markusevangelium 10,49-50: „Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.“ Das ist natürlich deutlich verbindlicher und weist auf das Zentrum unseres Glaubens hin. Damit ist klar: Wahrheiten können nicht festgelegt werden, sondern allenfalls festgestellt, auf der Grundlage des Heiligen Geistes. Gott allein ist die Wahrheit – eigentlich wissen wir das. Pastorale „Wahrheiten“ können nicht davon abweichen. Doppelte oder mehrfach ausgelegte Wahrheiten sind Irrlehren. „Nicht wir haben die Wahrheit, sondern die Wahrheit hat uns.“ [PP. Benedikt XVI.] Wenn es doch nur so wäre.

„Aus sich selbst herausgehen – […]

1

erneuern“

( 1 Hier war der Ort „Neapel“ eingesetzt. Jeder andere Ort auf der Welt kann stattdessen genannt werden.) – ein zweites Motto. Klingt so ähnlich wie das Motto des Kirchentages. Aber – so hat PP. Leo XIV eine Ansprache, zuvorderst an Bischöfe, Priester und Ordensleute Italiens in Neapel überschrieben, in der es ihm auch um Mut-Machen und Hoffnung ging. Dieser Text enthält interessante Aspekte für alle Gläubigen. Papst Leo nennt Inhalte wie: Fürsorge, statt Vernachlässigung („den Nächsten“) auch innere Fürsorge (eigenes Herz, unsere Menschlichkeit, unsere Beziehungen) wichtig für alle, die in der Kirche einen (Leitungs-)Dienst und sich einer Aufgabe angenommen haben Schwierigkeiten sind zu erwarten, aber … Jesus stellt sich an unsere Seite, uns zu ermutigen (vgl. Emmaus Jünger). ER geht mit uns und begleitet uns. Gemeinschaft muss „… in all unseren menschlichen und pastoralen Beziehungen gesucht, gefördert und gelebt werden, in denen den Laien und pastoralen Mitarbeitern eine grundlegende Rolle zukommt. Gemeinsam in der Nachfolge des Herrn zu gehen und die missionarische Sendung voranzutragen, indem die verschiedenen Charismen und Dienste wertgeschätzt werden, entspricht der Identität der Kirche selbst: Die Kirche ist das Geheimnis von Gemeinschaft. und jeder ist von der Taufe her berufen, ein lebendiger Stein im Gebäude, ein Apostel des Evangeliums, ein Zeuge des Reiches Gottes zu sein.“ Dies sind Aufgaben, die sich an Jeden und Jede von uns stellen. Wir tauchen damit ein in die große Aufgabe und die große Herausforderung des Apostolats der (sogen.) Laien. Darüber lohnt es sich, noch einmal separat nachzudenken. Kurzer Zwischengedanke: Auch die Gottesmutter Maria war eine Laiin. Wir sind also in wahrhaft guter Gesellschaft. Sie war die Mutter Gottes. Sie war die erste Apostelin, sicher, aber sie war Laiin. Und sie diente, bedingungslos. Es geht in unserem Dienst nicht um andere oder neue Kleriker (Klerikalismus). Es geht eben nicht um Macht und Einfluss. Und es geht schon gar nicht um so etwas wie vermeintlich fehlende Gleichberechtigung (Wofür eigentlich? Zur Macht? Wodurch leitet sich eine solche „Berechtigung“ ab?). Ich stelle vielmehr die Frage: Wer ist „gleichberechtigter“ als der Mensch seinem Gott gegenüber? Gott macht sich sein Geschöpf ebenbürtig (Ez 16). Es geht ausschließlich um Mitwirkung an der Verkündigung, am Reich Gottes, es geht ums Dienen. Damit geht es auch um eine Ganz- Hingabe. Ja, das ist absolut herausfordernd. Ganz sicher braucht es eine jeweils persönliche Glaubensentscheidung. Aber schließlich hat Gott einen Bund mit den Menschen geschlossen. Wir können gewiss sein: Dies ist nicht nur einfach ein bisschen Neues, ein bisschen Strukturveränderung, ein bisschen Reform, jedenfalls nicht so, wie der Begriff heute gern verstanden wird. Vielmehr ist es das Wesen einer ganz neuen Epoche, welche wir gerade miterleben. Da gibt es viele neue Aufgaben. Das Neue kommt aus dem Hören und dem Verkündigen. Jeder Verkündigungsdienst ist ein prophetischer Dienst. Es geht ums Hören im Gehorchen! Gott möchte und muss immer durch unsere „Membran“ hindurchgehen. Wir merken es oft nicht („Im Geheimen lehrst du mich Weisheit.“ – Ps 55), müssen aber empfangsbereit und sendebereit (durchlässig) sein. Es gibt aber nicht nur viele Aufgaben, sondern ebenso viele Möglichkeiten. Ein weiteres Zitat von PP. Leo XIV. zu Firmlingen in Italien: „Aber wenn die Spendung der Firmung eine der größten Freuden eines Bischofs ist, dann gibt es doch etwas anderes, das ihn traurig stimmt – wenn man nämlich die jungen Leute nie wieder zu Gesicht bekommt! Sie verschwinden aus der Pfarrei. Und darum bitte ich Euch um eines: Pflegt besonders die Gabe des Heiligen Geistes, die man Stärke nennt! Vergesst nicht, was ihr in der Zeit der Firmvorbereitung erlebt habt. Zeigt Durchhaltevermögen im Glauben und bleibt der Pfarrei treu – da gibt es so viele Aktivitäten und Möglichkeiten …“ Leo bat die jungen Leute, sich fest vorzunehmen, „Freunde des Herrn zu bleiben, seine Jünger, seine Missionare“, und im Glauben durchzuhalten.“ Diese Worte können wir unbesehen und in gleicher Weise auf uns Alle beziehen. Beachten wir unsere Charismen (die Schätze, die wir haben) und bringen sie zur Entfaltung. Dies ist der erste Schritt. Bleiben wir aber auch immer „Misstrauisch“ gegen uns selbst. Dies muss der zweite Schritt sein. Stellen wir die Fragen: Ist es richtig, was ich sage und tue, zur Entfaltung des Reiches Gottes? Ist es vom Heiligen Geist gegeben? Oder handle ich der göttlichen Führung (= „Hierarchie“) zuwider? Abschließend möchte ich auf den Begriff der Reform zurückkommen, da er in aller Munde zu sein scheint. Was ist das? Oder was legen wir uns da zurecht? Der Wortsinn wird gern (fast ausschließlich) mit Neu-Gestaltung, Neu-Ordnung oder Umgestalten verbunden, ist so aber falsch. Nehmen wir den Begriff auseinander (Reform Re-Form), merken wir: Es muss wörtlich eher mit „zurück zur (eigentlichen/ ursprünglichen) Gestalt/ zum Bild/ zur Ausprägung“ interpretiert werden. Man kann es auch gern als „Umkehr“ oder „Umdenken“ bezeichnen. Es kann also nur bedeuten: zurück zu Jesus Christus, als Gottes Sohn in der Lehre der von ihm gestifteten Kirche. WIR sind Kirche nur dann, wenn wir auf IHN schauen. Denn eigentlich muss es heißen: ER ist Kirche! Kirche ist immer von oben! (Offb. Bundesformel) Das wird heute nicht immer gern gehört, aber es ist wahr. Nur so können Berufungen fruchtbringend sein. Nur so kann Gnade auf die Menschen wirken. Mensch und Gott ist eine untrennbare Verbindung. Der Mensch ist zur Brautschaft berufen und geschaffen. Eine Abwendung von Gott ist „Ehebruch“. ER braucht unsere Mitwirkung. Gott schenkt nie seine Gnade, wenn der Mensch (in aller Freiheit, die er hat) nicht mitwirkt.
Aufstehen.?!
Katholische Pfarrgemeinde Sankt Johannis der Evangelist Freiberg / Sachsen
Quelle: _629873750_
Jesus geht durch eine Menschenmenge, ein Mann läuft ihm hinterher Der heilige Geist erscheint einem jungen Mann in Gestalt einer Taube